Selbsthilfe in Bewegung: Menschen mit unterschiedlichen Hörwegen unterwegs um Bensheim-Zell 🌀
In einer großen Gruppe unterwegs zu sein – für viele selbstverständlich.
Für Menschen mit Hörbehinderung oft eine echte Herausforderung.
Trotzdem – oder gerade deshalb 😄 – trafen wir uns am 7. März 2026, zwei Wochen vor Frühlingsanfang, zur ersten gemeinsamen Wanderung des Jahres an der Bergstraße.
Rund 6,5 km und 180 Höhenmeter führten uns durch Felder, Weinberge und Wald sowie über einen sonnigen Höhenweg. Der Frühling lag bereits in der Luft. 🌱☀️
Aufbruch in Bensheim-Zell
Nach einer kurzen Begrüßung und Informationen zum Ablauf der Wanderung und zur anschließenden Einkehr starteten wir pünktlich kurz nach 14 Uhr am Weingut Götzinger.
Der Weg führte zunächst direkt bergauf. Der erste Anstieg verlangte ordentlich Puste, sodass die geplante Pause sehr willkommen war. Sie bot Gelegenheit, sich in der Gruppe zu orientieren – denn nicht alle kannten sich – und natürlich für ein gemeinsames Foto.
Am Rand eines Weinbergs auf dem Höhenweg nutzten wir den Moment, um uns besser kennenzulernen:
Wo kommen wir her? Wie ist unsere Hörsituation?
Menschen mit unterschiedlichen Hörwegen
Unsere Gruppe war bunt gemischt: Wir kamen aus den Kreisen Bergstraße, Groß-Gerau, Darmstadt und Offenbach sowie aus dem Raum Mannheim/Heidelberg.
Auch unsere Hörsituationen waren vielfältig: gut hörende Angehörige, ein- und beidseitig Höreingeschränkte sowie gehörlose Teilnehmende. Manche waren mit Hörgeräten versorgt, andere mit einem Cochlea Implantat oder bimodal. Ein neuer Teilnehmer stand kurz vor den letzten Untersuchungen für eine mögliche CI-Implantation.
Frühling an der Bergstraße
Nach dem Gruppenfoto ging es weiter über den Höhenweg mit weitem Blick über die Landschaft. Schließlich führte der Weg in den Wald hinein und weiter bergauf.
Während an der Bergstraße bereits die ersten Knospen an den Mandelbäumen aufbrachen, zeigte sich der vordere Odenwald zögerlich: Die Buchen trugen noch ihr trockenes, braunes Laub. Auf den Feldern jedoch leuchtete schon frisches Grün.
Sonne und blauer Himmel sorgten für beste Wanderstimmung.
Unterwegs im Austausch
Unterwegs wurde viel gesprochen – über Hörtechnik, Hörbarrieren und darüber, wie Teilhabe im Alltag, im Beruf und in der Freizeit gelingen kann. Dabei wurden auch viele Tipps und Tricks ausgetauscht.
Gespräche im Gehen, wechselnde Sprecher, unterschiedliche Sprachmelodien oder Windgeräusche machen das Zuhören nicht einfach. Und ganz nebenbei mussten wir uns auch noch auf den Weg konzentrieren, um keine Abzweigung zu verpassen. 😉
Auch deshalb sind solche Treffen besonders wertvoll: Alle kennen diese Situationen. Man muss weniger erklären, findet schneller Anschluss – und wird leichter verstanden.
Bei so vielen Gesprächen blieb das Wandertempo ganz automatisch eher gemütlich.
Nach etwa zweieinhalb Stunden erreichten wir wieder das Weingut.
Einkehr – mitten im Leben
Bei der anschließenden Einkehr erwartete uns eine typische Alltagssituation: Stimmengewirr, klapperndes Geschirr und laute Gespräche aus dem Nebenraum. Für die meisten von uns herausfordernd – und gleichzeitig Teil des Lebens.
Passend zum Motto des Welttags des Hörens „Klingt nach Leben", der nur wenige Tage zuvor stattgefunden hatte, überlegten wir gemeinsam – und jede und jeder für sich –, welche besonderen Klänge des Lebens wir dank genialer Hörtechnik wieder hören und genießen können. Diese Gedanken hielten wir auf kleinen Kärtchen fest – als persönliche Erinnerung an diesen besonderen Tag. 🎶
Nach gut vier Stunden ging ein Nachmittag voller Bewegung, Austausch und schöner Gemeinschaft zu Ende. 💓
Mitwandern?
Unsere Wanderungen verbinden Bewegung, Austausch und Begegnung.
Menschen mit Hörbehinderung, Cochlea Implantat oder Hörgeräten sowie Angehörige sind herzlich willkommen.
Wer einmal mitgehen möchte, kann sich gerne bei uns melden.
Adriane Schmitt, SHG-Leiterin